Schweden

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Schweden
Königreich Schweden

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Schwe|den; -s:
Staat in Nordeuropa.

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I
Schweden,
 
das Staatsvolk Schwedens, dar√ľber hinaus an der S√ľdk√ľste von Finnland und auf den √Ölandinseln lebend, mit kleineren Gruppen vor dem Zweiten Weltkrieg auch auf einigen estl√§ndischen Inseln.
 
Nach einer starken Industrialisierung und Bodenreformen im 19. Jahrhundert blieben l√§ndliche Streusiedlungen, besonders im Seengebiet. An Fl√ľssen gibt es zumeist ¬ĽUferreihend√∂rfer¬ę. Im S√ľden des Landes umschlie√üen Wohn- und Wirtschaftsgeb√§ude den rechteckigen Hofplatz. Im Gebirge trifft man F√§bodwirtschaft (Almwirtschaft). W√§hrend in Schonen und auf √Ėland Fachwerkbau √ľblich ist, herrscht sonst Holzbau vor. Einen √úberblick √ľber traditionelle Haus- und Hofformen bietet das Freilichtmuseum Skansen in Stockholm.
 
Tracht wird v. a. in Dalarna, West- und Nord-V√§rmland, J√§mtland und H√§rjedalen noch getragen. Die Volkskunst (Holzschnitzerei, Weberei, Lederarbeiten und Silberschmuck) ist heute zum bl√ľhenden folkloristischen Gewerbe geworden. Alt sind die Br√§uche um Jul, die verschiedenen Jahresfeuer, der Besuch von Quellen an bestimmten Tagen. Im Norden strukturiert das Sennereiwesen Arbeitsjahr und Festkreis. Die Volksballade und der Volkstanz sind auch heute noch ein bedeutsames Element der schwedischen Volkskultur.
 
II
Schweden,
 
 
 
Fläche: 449 964 km2
 
Einwohner: (1999) 8,89 Mio. Einwohner
 
Hauptstadt: Stockholm
 
Amtssprache: Schwedisch
 
 
W√§hrung: 1 Schwedische Krone (skr) = 100 √Ėre
 
 
amtlich schwedisch Konungariket Sverige ['koňźn ä»Ėariňźk…ôt 'sv√¶rj…ô], Monarchie in Nordeuropa, grenzt im S√ľdwesten an das Skagerrak (Nordsee), das Kattegat (im Allgemeinen zur Ostsee gerechnet) und den Sund, im S√ľden und Osten an die offene Ostsee und den Bottnischen Meerbusen, im Nordosten an Finnland (586 km lange Grenze), im Westen an Norwegen (1 619 km lange Grenze). Die Gesamtfl√§che umfasst 449 964 km2, davon entfallen 8,7 % (39 030 km2) auf Binnengew√§sser (√ľber 100 000 Seen von mindestens 1 ha Gr√∂√üe); (1999) 8,892 Mio. Einwohner; Hauptstadt ist Stockholm, Amtssprache Schwedisch. W√§hrung: 1 Schwedische Krone (skr) = 100 √Ėre. Zeitzone: MEZ.
 
 Staat und Recht:
 
 
Nach der am 1. 1. 1975 in Kraft getretenen Verfassung, die diejenige von 1809 abl√∂ste, ist Schweden konstitutionelle Monarchie mit parlamentarisch-demokratischem Regierungssystem Der K√∂nig als Staatsoberhaupt hat nur noch Repr√§sentationsaufgaben. Die Erbfolge im Mannesstamm wurde mit sp√§terer Zustimmung des Parlaments 1978 zugunsten der Erstgeburt (Primogenitur) aufgehoben. Das Einkammerparlament, der Reichstag (Riksdag), √ľbt die gesetzgebende Gewalt aus und kontrolliert Regierung sowie Verwaltung. Seine 349 Abgeordneten werden f√ľr drei Jahre im Verh√§ltniswahlsystem gew√§hlt (aktives und passives Wahlrecht mit 18 Jahren), und zwar in der Weise, dass 310 Abgeordnete in den 28 Wahlbezirken gew√§hlt und 39 Sitze nach einem bestimmten Schl√ľssel auf die Parteien verteilt werden, die mindestens 4 % der Stimmen erringen konnten. Die Exekutive liegt bei der Regierung unter Vorsitz des Ministerpr√§sidenten, der auf Vorschlag des Pr√§sidenten des Reichstags vom Reichstag gew√§hlt wird. Der Regierungschef ernennt die √ľbrigen Mitglieder des Kabinetts. Zur Kontrolle der Verwaltung gibt es die Institution des Ombudsmanns.
 
Parteien:
 
Einflussreichste Parteien sind die reformsozialistischen Sveriges Socialdemokratiska Arbetarparti (SAP; deutsch Sozialdemokratische Arbeiterpartei Schwedens, gegr√ľndet 1889), die Moderata Samlingspartiet (MS; deutsch Gem√§√üigte Sammlungspartei, 1969 hervorgegangen aus der Konservativen Partei, gegr√ľndet 1904), die V√§nsterpartiet (VP; deutsch Linkspartei, gegr√ľndet 1917, hie√ü 1967-90 V√§nsterpartiet Kommunisterna, VPK; deutsch Linkspartei Kommunisten), die Kristdemokratiska Samh√§llspartiet (KdS; deutsch Christdemokratische Partei, gegr√ľndet 1964), die Centerpartiet (CP; deutsch Zentrumspartei, 1958 hervorgegangen aus dem Bauernbund, gegr√ľndet 1922), die Folkpartiet Liberalerna (FP; deutsch Liberale Volkspartei, gegr√ľndet 1902) und die Milj√∂partiet De Gr√∂na (MG; deutsch Umweltpartei Die Gr√ľnen, gegr√ľndet 1981).
 
 
Die 1880/90 entstandenen Gewerkschaften haben eine den Parteien vergleichbare starke Position. Wichtigste Dachverb√§nde sind der Schwedische Gewerkschaftsbund (Landsorganisationen i Sverige [LO], gegr√ľndet 1898) mit 19 autonomen Industrieverb√§nden (1998: 2,1 Mio. Mitglieder), der Zentralverband Schwedischer Angestellter und Beamter (Tj√§nstem√§nnens Centralorganisation [TCO], gegr√ľndet 1944) mit 20 Einzelgewerkschaften (1998: 1,23 Mio. Mitglieder), der Zentralverband Schwedischer Berufsorganisationen (SACO, gegr√ľndet 1947) mit 26 Berufsverb√§nden (1998: 462 000 Mitglieder). TCO und SACO sind parteipolitisch neutral; die LO steht der SAP nahe. Die relativ konfliktarme Zusammenarbeit zwischen Gewerkschaften und Arbeitgebern wurde v. a. beeinflusst durch den ¬ĽDezemberkompromiss¬ę von 1906 zwischen LO und dem Arbeitgeberverband Svenska Arbetsgivaref√∂reningen (SAF), der die Koalitionsfreiheit und das Tarifrecht festlegte, und 1938 das ¬ĽSaltsj√∂baden-Abkommen¬ę, das den Verzicht auf Arbeitskampfma√ünahmen und den Vorrang von Tarifverhandlungen brachte.
 
 
Das von den staatlichen Institutionen gef√ľhrte ¬Ľkleine Staatswappen¬ę (Attribut Erichs IX., des Heiligen; nachweisbar seit 1364) ist das ¬ĽDreikronenwappen¬ę; es zeigt im Schild auf blauem Grund drei goldene Kronen, √ľber dem Schild die schwedische K√∂nigskrone. Das ¬Ľgro√üe Staatswappen¬ę, auch ¬ĽK√∂nigswappen¬ę genannt, stellt einen durch ein gelbes Kreuz gevierten Schild dar, wobei das erste und vierte Feld auf blauem Grund drei Kronen (Familienwappen der regierenden K√∂nige), das zweite und dritte Feld auf blauwei√üem, schr√§g geteilten Grund einen goldenen L√∂wen (Geschlechterwappen der Folkunger K√∂nige) aufweist. Dieses Schild ist mit einem gespaltenen Herzschild belegt, wird von der Kette des Seraphinenordens umgeben und ruht auf einem bekr√∂nten Wappenmantel.
 
Nationalfeiertage:
 
Nationalfeiertag ist seit 1983 der 6. 6. (¬ĽFlaggentag¬ę), zur Erinnerung an die K√∂nigskr√∂nung Gustavs I. Wasa.
 
 
Die Verwaltungs-Gliederung Schwedens umfasst 24 Verwaltungsbezirke (L√§n), die durch Bezirksr√§te (L√§nsstyrelse) regiert werden; die H√§lfte der Mitglieder und der Vorsitzende (der Landsh√∂vding) werden von der Zentralregierung ernannt, die andere H√§lfte durch die vom Volk gew√§hlten Provinzlandtage (Landsting). Auf unterer Ebene besteht kommunale Selbstverwaltung der rd. 285 Gemeindeverb√§nde, die von gew√§hlten R√§ten (Kommunalfullm√§ktige) gef√ľhrt werden.
 
 
Grundlage des Rechts ist das ¬ĽReichsgesetzbuch¬ę von 1734 (inzwischen vielfach erg√§nzt); das Zivilrecht ist kodifiziert im Prozessgesetz (1942), das Strafrecht im Kriminalgesetzbuch (1962, seit 1965 in Kraft). Die Justiz genie√üt v√∂llige Unabh√§ngigkeit. Die Justizverwaltung unterliegt der Aufsicht des von der Regierung ernannten Generalstaatsanwaltes (¬ĽJustitiekansler¬ę) sowie den vom Parlament ernannten Ombudsm√§nnern der Justiz (¬ĽJustitieombudsm√§n¬ę). Der Gerichtsaufbau ist dreistufig: An der Spitze steht der Oberste Gerichtshof (¬ĽH√∂gsta domstolen¬ę), nachgeordnet sind sechs Appellationsgerichte (¬ĽHovr√§tter¬ę) und 97 Bezirksgerichte (¬ĽTingsr√§tter¬ę).
 
 
Die Gesamtst√§rke der Wehrpflichtarmee betr√§gt im Frieden etwa 62 500, im Kriegsfall rd. 750 000 Mann. Die Dauer des Grundwehrdienstes bel√§uft sich bei Heer und Marine auf 7¬Ĺ -15, bei der Luftwaffe auf 8-12 Monate (je nach Truppengattung oder Verwendungszweig). Pro Jahr leisten rd. 100 000 Reservisten eine mehrw√∂chige Wehr√ľbung ab. Das Heer (rd. 43 000 Soldaten) umfasst 38 Regimenter der unterschiedlichsten Truppengattungen. Sie bilden die Basis f√ľr die Kriegsgliederung, die zwei Panzer-, drei mechanisierte, sechs Infanterie- und vier Norrlandbrigaden sowie 100 selbstst√§ndige Bataillone vorsieht. Die Luftwaffe hat rd. 10 000, die Marine rd. 9 500 Mann. Die Ausr√ľstung besteht im Wesentlichen aus etwa 750 Kampfpanzern, 340 Kampfflugzeugen, 12 U-Booten und 65 Kleinen Kampfschiffen. - Etwa 8 % der Staatsausgaben werden f√ľr die Verteidigung verwendet. Das Land unterzeichnete 1994 die ¬ĽPartnerschaft f√ľr den Frieden¬ę der NATO und hat seit 1995 Beobachterstatus bei der Westeurop√§ischen Union. Auf der Grundlage des Verteidigungsplanes 1997 wurde ein weiterer Abbau von Einheiten und Verb√§nden (eingeleitet schon 1992) auf insgesamt 13 Brigaden sowie die umfassende Modernisierung von Waffen u. a. Wehrmaterial bis Ende 2001 beschlossen.
 
 Landesnatur und Bevölkerung:
 
 
Schweden liegt im Osten der Skandinavischen Halbinsel (Skandinavien); der gro√üen Nord-S√ľderstreckung von 1 574 km steht eine gr√∂√üte Breite von 499 km gegen√ľber. Der Westk√ľste n√∂rdlich von G√∂teborg und der Ostk√ľste n√∂rdlich von Kalmar sind zahlreiche Sch√§ren vorgelagert (Sch√§renk√ľste). In der Ostsee liegen die gro√üen Inseln Gotland (3 001 km2) und √Ėland (1 344 km2). Die (noch gebr√§uchliche) historische Dreiteilung in G√∂taland, Svealand, Norrland (von S√ľden nach Norden) deckt sich nicht ganz mit der geographischen Gliederung in S√ľd-, Mittel- und Nordschweden.
 
Schweden hat Anteil an der Abdachung der Skanden (Kebnekajse 2 111 m √ľber dem Meeresspiegel, Sarek 2 090 m √ľber dem Meeresspiegel). Die Skanden fallen nach Osten, wo ihre altpal√§ozoischen, von zahlreichen Intrusionen durchsetzten Gesteinsmassen im Mittelpal√§ozoikum schuppenf√∂rmig auf den Sockel des Baltischen Schildes aufgeschoben worden sind, in einer oft mehrere hundert Meter hohen Stufe ab; von dort dacht sich das Land in kleineren Stufen (Piedmonttreppen) nach S√ľdosten gegen die Ostsee ab. In die pr√§kambrischen, stark metamorphosierten Gesteinsmassen des Baltischen Schildes (Gneise, Granite, Phyllite, Amphibolite, Sparagmite) sind wertvolle Erzlager eingebettet. Reste von Sedimenten aus dem Kambrium, Ordovizium und Silur haben sich in tektonischen Senken (Mittelschwedische Senke, J√§mtland) erhalten und bauen die Inseln √Ėland und Gotland auf. Das s√ľdschwedische H√ľgelland (S√ľd-Schonen) wird von mesozoischen Sedimenten (mit Kreideschichten und kleinen Kohlevorkommen) aufgebaut, die von pleistoz√§nen Mor√§nen √ľberlagert werden.
 
Im Pleistoz√§n war ganz Schweden von Eis bedeckt. Es bildeten sich weitr√§umige Grundmor√§nenfl√§chen; w√§hrend der Stillstandsphase des Finiglazials wurde die mittelschwedische Endmor√§ne abgelagert, die sich im Salpausselk√§ Finnlands fortsetzt. Im fr√ľhen Postglazial drang das Meer in weite Teile Schwedens vor. In der Mittelschwedischen Senke wurden fruchtbare marine Tone abgelagert. Es entstanden die weit in das Land eingreifenden Meeresarme (Fj√§rd). Wichtigstes postglaziales Moment in der Reliefgestaltung ist die Landhebung (heute an der K√ľste von Norrbotten noch 9 mm j√§hrlich). - Die gr√∂√üten Seen liegen in der Mittelschwedischen Senke: V√§nersee (5 585 km2), V√§ttersee (1 912 km2), M√§larsee (1 140 km2), Hj√§lmarsee (484 km2).
 
 
Infolge der gro√üen Nord-S√ľderstreckung von der mitteleurop√§ischen Westwindzone bis in die polare Klimaregion zeigt das Klima starke Unterschiede. Insgesamt ist es w√§rmer, als nach der Breitenlage zu erwarten w√§re. Durch den Gebirgswall liegt Nordschweden im Lee der nordatlantischen Westwinddrift und im Einflussbereich der Hochdruckzonen √ľber Innerrussland und hat daher ausgesprochen kontinentales Klima; der warme, trockene Sommer erm√∂glicht noch am Polarkreis Temperaturen von 30 ¬ļC. Die langen, schneereichen Winter weisen absolute Minima von ‚ÄĒ40 ¬ļC im Norden, zwischen ‚ÄĒ20 ¬ļC und ‚ÄĒ30 ¬ļC im S√ľden auf. Der Bottnische Meerbusen ist bis √ľber f√ľnf Monate vereist. Eisfreie H√§fen gibt es nur im S√ľden und W. Die Niederschlagsmengen nehmen im Allgemeinen von Osten nach Westen zu; in S√ľdschweden von etwa 500 mm (Ostsee) bis √ľber 1 000 mm (Kattegat), sonst von rd. 500 mm (Ostsee) bis √ľber 2 000 mm (Skanden). 15 % der Landesfl√§che liegen n√∂rdlich des Polarkreises (Mitternachtssonne; zwei Monate winterlicher Dunkelheit).
 
 
S√ľd-Schonen und die Westk√ľste geh√∂ren zur mitteleurop√§ischen Laubwaldregion mit Buchen und Eichen. Die Nadelw√§lder des s√ľdschwedischen Berglandes sind zum Teil als Ausl√§ufer des nordeurop√§ischen borealen Nadelwaldes zu betrachten. N√∂rdlich der Mittelschwedischen Senke, die noch Standort von Eiche, Ahorn, Esche, Linde u. a. Laubb√§umen ist, erstreckt sich der boreale Waldg√ľrtel (mit Fichte, Kiefer, Birke). Weite Fl√§chen, v. a. im Norden, sind von Hochmooren bedeckt.
 
 
Die Einwohnerzahl Schwedens wuchs von (1900) 5,14 Mio. √ľber (1950) 7,04 Mio. auf (1999) 8,89 Mio. an. Die Geburtenziffer betr√§gt (1997) 10,2 je 1 000 Einwohner, w√§hrend die Sterbeziffer bei 10,5 je 1 000 Einwohner liegt. Bis zum Zweiten Weltkrieg bestand die Bev√∂lkerung im Wesentlichen nur aus den eigentlichen Schweden sowie den haupts√§chlich in Nordschweden lebenden Samen (Lappen) und Finnen (1930: 33 900 Finnen und 6 500 Samen); heute wird die Zahl der Samen auf etwa 15 000 gesch√§tzt. - Lebten am 1. 1. 1946 58 600 Ausl√§nder in Schweden, so waren es 1953 bereits 109 900 und 1995 438 700: 85 300 (19,4 %) Personen aus dem ehemaligen Jugoslawien (darunter 45 500 Bosnier), 76 900 (17,5 %) Finnen, 26 300 (6 %) Iraner, 23 900 (5,4 %) Norweger, 19 000 (5,0 %) D√§nen, 18 600 (4,2%) Iraker und 14 700 (3,4 %) T√ľrken. Die Zahl der Einwanderer belief sich 1994 auf 27 200 Personen (1993: 62 600; 1992: 90 200). Auch die Zahl der Auswanderer hat sich verringert, n√§mlich von 38 800 (1992) auf 18 600 (1994). - W√§hrend um 1880 noch rd. 90 % der Bev√∂lkerung im l√§ndlichen Raum lebten, hat sich diese Zahl bis zu Beginn der 1990er-Jahre umgekehrt: Der Verst√§dterungsgrad lag 1998 bei 83 %. Der gr√∂√üte Teil der Bev√∂lkerung lebt in S√ľd- und Mittelschweden (s√ľdlich des Breitengrades von G√§vle). Die mittlere Einwohnerdichte Schwedens betr√§gt (1999) 20 Einwohner/km2, wobei der Verwaltungsbezirk Stockholm mit 19,5 % der Einwohner auf eine Dichte von 266 Einwohner/km2 (1995) kommt. Dagegen erreichen die Verwaltungsbezirke J√§mtland, V√§sterbotten und Norrbotten mit rd. 50 % der gesamten Landfl√§che nur Einwohnerdichten von 2,3, 5 beziehungsweise 3 (1995).
 
 
Die evangelisch-lutherische ¬ĽKirche von Schweden¬ę (¬ĽSvenska Kyrkan¬ę) wurde mit der Einf√ľhrung der Reformation 1527 Staatskirche und bestand als solche bis 1999. Die Religionsfreiheit wurde 1951 gesetzlich verankert. Seither hat jeder Staatsb√ľrger das Recht, aus der lutherischen Kirche auszutreten, der als Staatskirche bis zur Aufhebung der amtlichen Erfassungspraxis 1995 (Beschluss von Regierung und Kirchensynode) alle Staatsb√ľrger ¬Ľper Geburt¬ę zugerechnet wurden. Der K√∂nig geh√∂rt, der Tradition des schwedischen K√∂nigshauses folgend, der evangelisch-lutherischen ¬ĽSvenska Kyrkan¬ę an; bis 1999 auch staatskirchenrechtlich dazu verpflichtet, heute allein ¬Ľfreiwillig¬ę als Mitglied der traditionellen Volkskirche Schwedens. Diese umfasst dreizehn Di√∂zesen; der Erzbischof von Uppsala ist Primus inter Pares (der anderen Bisch√∂fe). Die kirchliche Gesetzgebungskompetenz liegt seit 2000 ausschlie√ülich bei der Kirchensynode (bis dahin beim Reichstag). Wahl und Ernennung der Bisch√∂fe erfolgen seither ausschlie√ülich durch die Di√∂zesen (bis dahin Ernennung der Bisch√∂fe aufgrund von Dreierwahlvorschl√§gen der Di√∂zesen). - Der lutherischen Kirche geh√∂ren rd. 86 % der Bev√∂lkerung an, der katholischen Kirche (exemtes Bistum Stockholm) rd. 1,8 %, evangelische Freikirchen rd. 3,4 % (besonders Pfingstler, ¬ĽSchwedische Missionsbundkirche¬ę [¬ĽSvenska Missionsf√∂rbundet¬ę], Baptisten, Heilsarmee), orthodoxe Kirchen rd. 1 %. - Nichtchristliche religi√∂se Minderheiten bilden die Muslime, Juden und Bahais. Die muslimische Gemeinschaft (rd. 100 000) umfasst √ľberwiegend Bosniaken, Albaner, Iraner und T√ľrken. Von den etwa 15 000-17 000 Juden geh√∂ren rd. 8 500 einer j√ľdischen Gemeinde an, davon rd. 5 000 der Gemeinde Stockholm (gegr√ľndet 1775).
 
 
Es besteht allgemeine Schulpflicht vom 7. bis 16. Lebensjahr bei unentgeltlichem Unterricht, kostenloser Schulspeisung und Lehrmittelfreiheit; Vorschuleinrichtungen erhalten staatliche Zusch√ľsse. Die neunj√§hrige Pflichtschule ist in drei Stufen zu je drei Jahren untergliedert. In der Unter- und Mittelstufe absolvieren alle Sch√ľler die gleichen F√§cher; ab viertem Schuljahr ist Englisch Pflichtfach. In der Oberstufe bestehen Wahlm√∂glichkeiten, wobei als Wahlpflichtfach eine zweite Fremdsprache (meist Deutsch oder Franz√∂sisch) angeboten wird. Die Absolvierung einer dreij√§hrigen Gymnasialstufe ist Voraussetzung f√ľr ein Universit√§ts-Studium. Die traditionsreiche Erwachsenenbildung ist integraler Bestandteil des Bildungswesens. In der Abendgymnasialschule werden viele Studienz√ľge angeboten. Studienzirkel, urspr√ľnglich eine Arbeitsform (Gruppenarbeit) der Bildungsorganisationen, erhalten staatliche Zusch√ľsse. Es bestehen 13 Universit√§ten, u. a. in G√∂teborg (gegr√ľndet 1954), Lund (gegr√ľndet 1666), Stockholm (seit 1960) und Uppsala (gegr√ľndet 1477).
 
 
Als erstes Land f√ľhrte Schweden 1766 per Gesetz die Pressefreiheit ein. Seit 1949 ist das Pressegesetz Teil der Verfassung; 1969 wurde das Amt eines Presse-Ombudsmanns geschaffen. Um Neugr√ľndungen zu erm√∂glichen und die Pressekonzentration einzud√§mmen, wird das Zeitungswesen seit 1969 vom Parlament subventioniert. Den Markt beherrschen das Unternehmen Bonnier mit der Boulevardzeitung ¬ĽExpressen¬ę (gegr√ľndet 1945, 372 400), dem ¬ĽDagens Nyheter¬ę (gegr√ľndet 1864, Auflage 361 300), dem ¬ĽSydsvenska Dagbladet¬ę (gegr√ľndet 1848, 124 500) und der Wirtschaftszeitung ¬ĽDagens Industri¬ę (95 000), der norwegische Konzern Schibsted mit der Boulevardzeitung ¬ĽAftonbladet¬ę (gegr√ľndet 1830, rd. 380 000) und dem ¬ĽSvenska Dagbladet¬ę (gegr√ľndet 1884, rd. 200 000), die zum Kinnevik-Konzern geh√∂rende Modern Times Group (MTG) mit der Gratiszeitung ¬ĽMetro¬ę (alle Stockholm) sowie das Medienunternehmen GP mit ¬ĽG√∂teborgs-Posten¬ę (gegr√ľndet 1858, 263 000). - Nachrichtenagenturen: ¬ĽTidningarnas Telegrambyr√• AB¬ę (Abk√ľrzung TT, gegr√ľndet 1921; genossenschatliches Unternehmen im Besitz der Presseverlage), ¬ĽSvensk-Internationella Pressbyr√•n¬ę (SIP, gegr√ľndet 1927) und ¬ĽSvenska Nyhetsbyr√•n¬ę. - Die Organisation des Rundfunks wurde zum 1. 1. 1993 neu geregelt: Drei unabh√§ngige Gesellschaften (¬ĽSveriges Radio AB¬ę, ¬ĽSveriges Television AB¬ę und ¬ĽSveriges Utbildungsradio AB¬ę) werden in Form einer Stiftung gef√ľhrt und gesetzlich kontrolliert. Der geb√ľhrenfinanzierte √∂ffentlich-rechtliche H√∂rfunk ¬ĽSveriges Radio¬ę (SR) strahlt drei werbefreie nationale Programme mit den Schwerpunkten Talk, klassischer Musik und Jugend aus sowie einen vierten Kanal, der sich in 26 lokale Programme aufteilt, ferner den Auslandssender ¬ĽRadio Sweden International¬ę und seit 1998 ein digital (√ľber DAB) verbreitetes finnischsprachiges Programm. 1993 wurde Privatfunk eingef√ľhrt; es gibt etwa 80 private lokale H√∂rfunksender. ¬ĽSveriges Television¬ę strahlt zwei landesweite werbefreie Fernsehprogramme aus, ¬ĽSVT 1¬ę und ¬ĽSVT 2¬ę (seit 1999 auch digital) sowie seit Ende 1997 das digitale Satelliten-Auslandsprogramm ¬ĽSVT Europe¬ę. 1999 kamen sechs neue digitale Kan√§le hinzu, darunter der Nachrichtenkanal ¬ĽSVT 24¬ę und f√ľnf regionale Programme. Seit 1987 kann dar√ľber hinaus √ľber Kabel und Satellit Privatfernsehen empfangen werden, beginnend mit ¬ĽTV 3¬ę. Es folgte 1991 ¬ĽTV 4¬ę als erster terrestrischer kommerzieller Sender, 1992 der Jugendkanal ¬ĽZ-TV¬ę, 1994 die Unterhaltungssender ¬ĽChannel 5¬ę und ¬ĽTV 6¬ę sowie 1999 der Finanz- und Nachrichtenkanal ¬ĽTV 8¬ę. Seit 1999 strahlen alle Privatsender auch digital √ľber Satellit ab. Zur Kinnevik-Tochtergesellschaft MTG geh√∂ren die Fernsehsender ¬ĽTV 3¬ę, ¬ĽTV 6¬ę, ¬ĽTV 8¬ę und ¬ĽZ-TV¬ę. Des Weiteren bietet MTG √ľber Viasat rd. 20 digitale Programme verschl√ľsselt an (Pay-TV). Ein zweiter Anbieter digitalen Fernsehens vorwiegend ausl√§ndischer Kan√§le (32 verschl√ľsselte Fernseh- und 20 Musikkan√§le sowie einige unverschl√ľsselte Programme) ist Canal Digital, eine 100%ige Tochtergesellschaft der franz√∂sischen Canal plus S. A.
 
 Wirtschaft und Verkehr:
 
 
Mit einem Bruttosozialprodukt (BSP) je Einwohner von (1995) 23 750 US-$ z√§hlt Schweden zu den L√§ndern mit dem h√∂chsten materiellen Wohlstand. Damit liegt Schweden auf dem elften Platz aller europ√§ischen L√§nder. Anfang 1990 begann eine Rezession in Schweden, und zwar die schwerste seit den 1930er-Jahren, die erst 1994 mit einem Wachstum des BSP von 2,2 % beendet wurde. Dieser Einbruch f√ľhrte 1991 zur Abl√∂sung der mit kurzer Unterbrechung seit fast 60 Jahren regierenden Sozialdemokraten durch die Koalitionsregierung unter C. Bildt. Der Regierungswechsel ist national wie auch international als eine Absage an das schwedische Modell eines Wohlfahrtsstaates interpretiert worden.
 
Das schwedische Modell ist gekennzeichnet durch die Verkn√ľpfung eines prinzipiell marktwirtschaftlichen Systems mit im Vergleich zu anderen westlichen Industriel√§ndern √ľberdurchschnittlich starken Eingriffen des Staates in den Wirtschaftsablauf. Nach der Verfassung sind oberste Ziele staatliche T√§tigkeit, die pers√∂nliche, finanzielle und kulturelle Wohlfahrt des Einzelnen zu f√∂rdern, hierzu besonders das Recht auf Arbeit, Wohnung und Ausbildung zu sichern sowie f√ľr soziale F√ľrsorge und Sicherheit und eine gute Lebensumwelt einzutreten. Die B√ľrger sollen materiell gleichgestellt sein. Der Verwirklichung dieser Ziele dienen u. a. ein umfassendes System sozialer Sicherheit (Sozialversicherungen, soziale Infrastruktur), eine Wirtschaftspolitik, die sich an Mitbestimmung, Investitionslenkung und Vollbesch√§ftigung orientiert, und eine Besteuerung, die schon relativ niedrige Einkommen mit hohen Steuers√§tzen belastet. Zwar konnten ein hohes Pro-Kopf-Einkommen und ein hoher Standard an √∂ffentlichen Leistungen bei niedriger Arbeitslosigkeit erreicht werden (Arbeitslosenquote 1980-90 durchschnittlich 2,4 % j√§hrlich), doch wurden aufgrund der hohen Steuer- und Abgabenbelastung die Grenzen des Wohlfahrtsstaats erreicht. Schweden hatte gemessen am BIP mit (1989) 55,3 % die h√∂chste Steuer-, mit 61,9 % die h√∂chste Abgaben- und mit 57,2 % die h√∂chste Ausgabenquote unter den OECD-Staaten. Offensichtlich hatten sich durch die hohe Abgabenbelastung die fundamentalen Wachstumsbedingungen so nachhaltig verschlechtert, dass der Beginn der 90er-Jahre durch Schrumpfungstendenzen bei hoher Inflation gepr√§gt war (Inflationsrate 1980-90: 7,6 % j√§hrlicher Durchschnitt; 1990: 10,4 %, 1991: 9,7 %, 1992: 2,4 %, 1993: 4,3 %, 1994: 2,2 %). Gleichzeitig ist die Arbeitslosigkeit von 1,5 % (1990) auf 8,6 % (1997) gestiegen. Die Schulden des √∂ffentlichen Sektors betragen (1994) 85 % des BIP nach 45 % 1990, was zum Teil auf die Senkung der hohen Abgabenquote (1994: 49,8 % des BIP) zur√ľckzuf√ľhren ist. Die gesamte Staatsquote (Anteil des √∂ffentlichen Sektors an der Verwendung des BIP) konnte 1994 auf 70,6 % (1993: 74,3 %) gesenkt werden.
 
 
Schweden hat einen relativ kleinen, aber hoch technisierten Agrarsektor. In Land-, Forstwirtschaft und Fischerei erwirtschaften (1994) 3,4 % der Erwerbst√§tigen 2,2 % des BIP. Obwohl (1992) nur 7,5 % der Landfl√§che landwirtschaftlich genutzt werden (2,8 Mio. ha Ackerland, 555 000 ha Dauergr√ľnland), k√∂nnen mit dieser Fl√§che rd. vier F√ľnftel des Nahrungsmittelbedarfs der Bev√∂lkerung gedeckt werden. Dieser Grad der Selbstversorgung soll gehalten werden. In einigen Bereichen, so bei Getreide, Fleisch und Milch, werden aufgrund erfolgreicher Rationalisierungsbem√ľhungen seit l√§ngerer Zeit sogar deutliche √úbersch√ľsse erzielt. Die Schwerpunkte der agrarischen Nutzung liegen in Schonen, Halland und in der Mittelschwedischen Senke, in Nordschweden gibt es nur in den Flusst√§lern zusammenh√§ngende Landwirtschaftsfl√§chen. Angebaut werden v. a. Gerste (1991: 1,9 Mio. t), Weizen (1,4 Mio. t), Hafer (1,4 Mio. t) und Kartoffeln (1,0 Mio. t); an Vieh werden v. a. Schweine (1992: 2,3 Mio.) und Rinder (1992: 1,7 Mio.) gehalten.
 
 
Die Forstwirtschaft z√§hlt zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen. Der Anteil Schwedens an der Weltproduktion von Zellstoff betr√§gt (1992) rd. 6 %. W√§lder bedecken ein Gebiet von (1992) 28,0 Mio. ha (62 % der Landfl√§che). Schweden ist damit eines der waldreichsten L√§nder Europas. Der durchschnittliche j√§hrliche Holzeinschlag liegt bei etwa 52 Mio. m3; davon ist rd. die H√§lfte f√ľr die Papierindustrie bestimmt. Die forstpolitischen Aktivit√§ten wurden in den 80er-Jahren deutlich intensiviert: Verschiedene Gesetze schr√§nken die Waldbewirtschaftung ein, sch√ľtzen somit den Bestand des Waldes und erhalten die Grundlage der schwedischen Holzwirtschaft.
 
 
Fischerei wird v. a. an der Westk√ľste betrieben (Fangmenge 1993: 344 800 t). Die Fischwirtschaft hat in Schweden eine geringere Bedeutung als in den norden Nachbarstaaten.
 
 
Der Bergbau hat in Schweden aufgrund der reichlich vorhandenen Bodensch√§tze eine lange Tradition. Die wichtigsten Eisenerzvorkommen liegen in Bergslagen und im √§u√üersten Norden (Abbauorte: v. a. Kiruna, G√§llivare). Das nordschwedische Eisenerz wird gr√∂√ütenteils exportiert, v. a. √ľber den norwegischen Hafen Narvik, der Rest √ľber Lule√•. Im Skelleftefeld wird v. a. Kupfer- und Bleierz gef√∂rdert, in Falun heute Pyrit (Schwefelkies). Dar√ľber hinaus verf√ľgt Schweden √ľber gro√üe Vorr√§te an Alaunschiefer, die Vanadium und Uran enthalten, und in V√§sterg√∂tland √ľber die gr√∂√üten bislang nachgewiesenen Uranerzvorkommen Europas. Gef√∂rdert werden neben (1992) 19,3 Mio. t Eisenerz 169 800 t Zink-, 106 200 t Blei-, 88 600 t Kupfer-, 17 800 t Pyrit- und 290 t Silbererz.
 
 
Schweden verf√ľgt √ľber keine nennenswerten Erd√∂l- und Kohlevorkommen. Trotzdem hat Erd√∂l einen Anteil von (1993) 42,2 % an der Prim√§renergieversorgung. Gr√∂√üter Exporteur von Erd√∂l nach Schweden ist Norwegen mit 38 %, gefolgt von den OPEC-Staaten (34 %). Weitere Energietr√§ger sind Biomasse (W√§lder, Holzabf√§lle, Torf u. a.) mit 17,3 %, Wasserkraft (16,9 %) und Kernkraft (14,1 %). Die Stromerzeugung von 145,5 TWh wird (1993) zu 51,4 % aus Wasserkraft und zu 42,4 % aus Kernkraft gedeckt. Schweden verf√ľgt mit 12 Kernkraftwerken und einer 9 970-MW-Leistung √ľber eines der dichtesten Kernkraftnetze der Erde. Aus der Kombination von Kernenergie und Wasserkraft ergeben sich g√ľnstige Strompreise, die f√ľr die energieintensive Industriestruktur (Papier-, Zellulose- und Schwerindustrie) einen Standortvorteil bilden. Der Beschluss von 1980, bis 2010 alle Kernkraftwerke stillzulegen, wurde von der derzeitigen Minderheitsregierung unter dem Eindruck des wirtschaftlichen Einbruchs Anfang der 1990er-Jahre dahingehend modifiziert, erst auszusteigen, wenn der Umstieg auf alternative Energiequellen kosteng√ľnstig durchf√ľhrbar ist. Bislang wurde kein Kernkraftwerk abgeschaltet. Regenerative Energie (v. a. Biomasse, Wind- und Sonnenkraft) werden staatlich gef√∂rdert.
 
 
Im industriellen Sektor (einschlie√ülich Bergbau, Energie- und Bauwirtschaft) erwirtschaften (1994) 25,5 % der Erwerbst√§tigen 30,6 % des BIP. Sehr viel sp√§ter als in anderen europ√§ischen Industriestaaten vollzog sich die Industrialisierung des Landes, die sich auf die Erzvorkommen, die Wasserkraft und die riesigen W√§lder gr√ľndete und zun√§chst auf die Herstellung von Halbfabrikaten ausgerichtet war. Daraus entwickelte sich eine hoch spezialisierte und vielseitige Eisen- und Stahl-, Maschinen- und Fahrzeugbau- sowie Holz- und Papierindustrie. Eisen- und Stahlwerke finden sich v. a. in Mittelschweden sowie in Lule√•. Wichtige Zweige der Metallverarbeitung (1991: 49,3 % der Industriebesch√§ftigten) sind der Fahrzeugbau (Lokomotiven in Trollh√§ttan, Kraftfahrzeuge in G√∂teborg, S√∂dert√§lje, Kalmar und Trollh√§ttan, Flugzeuge in Link√∂ping), der Schiffbau sowie die elektrotechnische und elektronische Industrie (v. a. in Stockholm, V√§ster√•s). Die Holzindustrie (8,6 %) und die Papierindustrie (12,4 %) haben ihre Schwerpunkte besonders in Sm√•land, am V√§nersee, um Sundsvall und entlang der norrl√§ndischen K√ľste, die Nahrungs- und Genussmittelindustrie (9,7 %) in Stockholm, G√∂teborg und Malm√∂, die Textil- und Bekleidungsindustrie (3,9 %) in Bor√•s und Stockholm. Ein schnelles Wachstum weist die chemische Industrie (8,0 %) auf. Tradition hat die schwedische Glasindustrie.
 
 
Der Dienstleistungssektor ist mit einem Anteil an den Besch√§ftigten von (1994) 70,7 % und am BIP von 68,2 % der weitaus gr√∂√üte Sektor der Volkswirtschaft. Gemessen am BIP sind die wichtigsten Einzelbereiche der √∂ffentliche Dienst (22,5 %), Banken und Versicherungen (21,9 %), Handel und Gastronomie (10,3 %) sowie Verkehr und Nachrichten√ľbermittlung (6,7 %). Der hohe Anteil des √∂ffentlichen Dienstes an der Besch√§ftigung (1994: 40,4 %) erkl√§rt sich v. a. aus umfangreichen Sozial-, Bildungs- und Gesundheitsdiensten der Kommunen.
 
 
Der Fremdenverkehr, v. a. an der Westk√ľste, auf Gotland und √Ėland, an den mittelschwedischen Seen und in den Wintersportgebieten (H√§rjedalen, J√§mtland, Lappland), ist ein wachsender Wirtschaftszweig.
 
 
Die schwedische Handelsbilanz weist einen √úberschuss von (1994) 68,6 Mrd. skr (1992: 34,7 Mrd. skr) aus. Der Export stieg 1994 gegen√ľber dem Vorjahr mengenm√§√üig um 16,9 % und wertm√§√üig um 21 %. Hauptausfuhrprodukte sind Kraftfahrzeuge, Papiererzeugnisse, chemische Erzeugnisse sowie Eisen und Stahl. Wichtigster Handelspartner ist Deutschland. Die regionale Struktur des schwedischen Au√üenhandels verdeutlicht, dass Schweden bereits in das arbeitsteilige Wirtschaftsgef√ľge der EU integriert ist; 55 % der Einfuhren und 53 % der Lieferungen entfallen (1994) auf die anderen EU-L√§nder. Der rasch an Bedeutung gewinnende Handel mit Ostasien ist f√ľr 10 % der Ex- und f√ľr 11 % der Importe zust√§ndig. - Trotz des hohen Handelsbilanz√ľberschusses ergaben sich viele Jahre zum Teil kr√§ftige Leistungsbilanzdefizite, die u. a. auf den hohen Kapitalabfluss zur√ľckzuf√ľhren sind. Allerdings hat die Leistungsbilanz 1994 wieder mit einem positiven Saldo (0,4 % des BIP) abgeschlossen.
 
Verkehr:
 
Schweden hat ein gut ausgebautes Verkehrsnetz. Das Schienennetz ist (1994) 10 798 km lang und zu 67 % elektrifiziert. Seit Ende der 80er-Jahre werden zwischen Stockholm und G√∂teborg Hochgeschwindigkeitsz√ľge eingesetzt. Geplant ist der weitere Ausbau des Hochgeschwindigkeitsnetzes zwischen Stockholm und Malm√∂, Stockholm und Sundsvall sowie zwischen G√∂teborg und Malm√∂. 2000 wurde eine feste Verbindung √ľber den √Ėresund und damit erstmalig eine feste Verbindung f√ľr den Stra√üen- und Eisenbahnverkehr zwischen D√§nemark und Schweden hergestellt. Wichtig f√ľr den Eisenerztransport ist die Lapplandbahn. Um die Stra√üen (L√§nge des Stra√üennetzes 1993: 208 858 km) im Winter passierbar zu halten, sind erheblichen Aufwendungen n√∂tig. Knapp 35 % der Stra√üen sind √∂ffentlich unterst√ľtzte Privatstra√üen. Die Insel √Ėland ist durch eine der l√§ngsten Stra√üenbr√ľcken Europas (√ľber den Kalmarsund) mit dem Festland verbunden. Traditionell hat der F√§hrverkehr eine gro√üe Bedeutung (vier Eisenbahn- und mehr als 40 Autof√§hrlinien). Die Motorisierungsquote erreicht mit (1994) 409 Pkw je 1 000 Einwohner einen hohen Wert (Deutschland 488, Frankreich 430, Gro√übritannien 373).
 
Die Handelsflotte gilt weltweit als eine der modernsten. Da ein Gro√üteil der Flotte ausgeflaggt ist, erscheint Schweden nicht in der Rangliste der f√ľhrenden Schifffahrtsnationen; 1992 wurden insgesamt 436 Handelsschiffe mit einer Gesamttonnage von 3 Mio. BRT und 91 Tanker mit 1 Mio. BRT gez√§hlt. Wichtigste Seeh√§fen sind Helsingborg, G√∂teborg, Stockholm, Malm√∂ und Trelleborg. Wichtigster Binnenhafen ist Karlstad. Der Binnenschifffahrt stehen 640 km inl√§ndische Wasserwege zur Verf√ľgung. Auf weiteren 4 000 km Wasserwegen werden noch Holztransporte durchgef√ľhrt. Der heute v. a. dem Tourismus dienende G√∂takanal verbindet die West- mit der Ostk√ľste.
 
Schweden besitzt ein leistungsfähiges Netz von Flughäfen. Wichtigste internationale Flughäfen sind Arlanda (Stockholm), Landvetter (Göteborg) und Sturup (Malmö). Neben der SAS - Scandinavian Airlines System gibt es noch sechs kleinere Luftverkehrsgesellschaften (z. B. Linjeflyg AB, Transwede Airways).
 
 Geschichte:
 
Zur Vorgeschichte Nordeuropa.
 
 Von der Wikingerzeit bis zum Ende der Kalmarer Union
 
Schweden war im Altertum Siedlungsgebiet germanischer St√§mme. Die schon fr√ľh unter dem Stammesk√∂nigtum der Ynglinge geeinten Svear, deren √§lteste Sitze am M√§larsee lagen (Kult- und Herrscherst√§tten Altuppsala und Vendel), unterwarfen zwischen dem 6. und 8. Jahrhundert die Gauten (G√∂ten) in G√∂taland. K√∂nig Erich VII. Segers√§ll (¬Ľder Siegreiche¬ę) beherrschte in der 2. H√§lfte des 10. Jahrhunderts auch Teile D√§nemarks. Vom 9. bis 11. Jahrhundert unternahmen schwedische Kriegerkaufleute (War√§ger) Raub- und Handelsz√ľge, v. a. von der Ostseek√ľste √ľber die Stromgebiete von Wolga und Dnjepr bis nach Byzanz; einige von ihnen errichteten schon in der 2. H√§lfte des 9. Jahrhunderts lokale Herrschaften besonders √ľber Nowgorod und Kiew und waren ma√ügeblich an der Herausbildung des Kiewer Reiches beteiligt (Rurikiden). Die schwedische Wikinger kontrollierten wichtige Bereiche des nordeurop√§ischen Fernhandels (Zentren: Birka, Haithabu). Um 830 missionierte Ansgar in Birka. K√∂nig Olaf III. Sk√∂tkonung (deutsch ¬ĽScho√ük√∂nig¬ę; etwa 995-1022) lie√ü sich taufen, doch schritt die Christianisierung nur langsam voran und fand erst mit der Errichtung des Erzbistums Uppsala (1164) ihren Abschluss.
 
Die Reichsverfassung wurde von der Rechtsautonomie der verschiedenen Landesteile (¬ĽLandschaften¬ę) mit autonomer Thingorganisation und einer eigenen Rechtstradition (¬ĽLandschaftsrechte¬ę) gepr√§gt. Da Schweden ein Wahlk√∂nigreich war, musste sich der K√∂nig in einem Umritt durch das Land von den einzelnen Landschaftsthingen best√§tigen lassen (¬ĽEriksgata¬ę). Er blieb deshalb auf die Landschaftsaristokratie angewiesen, die sich im Zuge der reichsumfassenden Bestrebungen des K√∂nigtums zu einem privilegierten Reichsadel entwickelte. Der erste gekr√∂nte K√∂nig war Erik Knutsson (Kr√∂nung 1210). Seit Anfang 13. Jahrhundert st√ľtzten sich die K√∂nige auf die Jarle. Das Amt des Jarls und des K√∂nigs vereinigte praktisch Birger Jarl, Begr√ľnder der Dynastie der Folkunger, in seiner Person, indem er f√ľr seinen 1250 zum K√∂nig gew√§hlten Sohn Waldemar bis 1266 die Regierungsgesch√§fte f√ľhrte. Birger Jarl setzte die Eroberung und Christianisierung Finnlands fort, wohin der Legende zufolge bereits Erich IX., der Heilige, um 1155 einen Kreuzzug gef√ľhrt hatte. Unter der Herrschaft Birger Jarls erhielten die Hansest√§dte, v. a. L√ľbeck und Hamburg, Handelsprivilegien; deutsche Kaufleute beherrschten bald den Handel und beeinflussten das schwedische St√§dtewesen. Die Folkunger strebten nach k√∂niglicher Zentralmacht und fanden Unterst√ľtzung von der Kirche. Die Landschaftsautonomie wurde durch zahlreiche k√∂nigliche Gesetzgebungsakte (z. B. Landfriedensgesetze) allm√§hlich aufgel√∂st. Ende 13. Jahrhundert waren die wichtigsten Reichs√§mter und Reichsinstitutionen ausgebildet: der Drost als Stellvertreter des K√∂nigs, der Marschall als milit√§rischer Oberbefehlshaber neben dem K√∂nig und der Kanzler als Vorsteher der k√∂niglichen Kanzlei und Verwaltung. Der vom K√∂nig eingerichtete Reichsrat verstand sich eher als Standesvertretung des schwedischen Adels. Birgers zweiter Sohn Magnus Birgersson Ladul√•s (* 1240, ‚úĚ 1290), der seinem Bruder Waldemar 1275 als K√∂nig folgte, l√∂ste die Heerespflicht der Bauern durch eine in Naturalien oder Geld zu entrichtende Steuer ab. Sein Beiname ¬ĽScheunenschloss¬ę zeigt, dass er den Bauernstand vor dem Zugriff des erstarkenden Adels zu sch√ľtzen wusste. Zugleich entwickelte sich ein ritterlicher Dienstadel. Die Zeit nach Magnus I. Ladul√•s war vom Erstarken der Reichsaristokratie, von Machtk√§mpfen innerhalb der Folkungersippe sowie Streitigkeiten zwischen den norden Reichen gepr√§gt. Mit der Wahl des unm√ľndigen Magnus II. Eriksson zum K√∂nig, der als Magnus VII. Eriksson auch im Besitz der norwegischen Krone war, setzte 1319 der Adel zun√§chst seine Interessen mit der Dekretierung eines ¬ĽFreiheitsbriefes¬ę durch. Mit erreichter Vollj√§hrigkeit suchte Magnus die K√∂nigsgewalt gegen Adel und Geistlichkeit unter Umgehung des Freiheitsbriefes durchzusetzen und erlie√ü um 1350 ein allgemeines Landrecht. Der Widerstand gegen ihn schlug in offenen Aufruhr um, als 1360 Schonen (1332 k√§uflich erworben) und 1361 √Ėland sowie Gotland mit dem Hafen Visby an D√§nemark fielen. Die Adelsopposition setzte Magnus ab und w√§hlte 1364 seinen Neffen, Herzog Albrecht von Mecklenburg, zum K√∂nig. Gegen ihn und seine deutsche Umgebung wandte sich der Adel an Margarete von D√§nemark, die nach dem Sieg √ľber Albrecht 1389 in der Schlacht von √Ösle (bei Falk√∂ping) die drei nordischen Reiche vereinigte. 1397 wurde ihr Gro√üneffe Erich von Pommern in Kalmar zum K√∂nig gekr√∂nt und die Kalmarer Union best√§tigt.
 
Als Erich XIII. (in D√§nemark als Erich VII. und in Norwegen als Erich IV.) regierte er eigenm√§chtig mithilfe meist deutscher V√∂gte; die den Schweden zugesicherten Rechte wurden verletzt, hohe Steuern waren eine Folge seiner Kriege gegen Holstein und die Hanse. Gegen die unangemessenen Steuern erhoben sich die schwedischen Bauern und Bergleute 1434 unter der F√ľhrung von Engelbrecht Engelbrechtsson und erwirkten die Absetzung Erichs XIII. (1439). Wenn auch Schweden sp√§ter noch mehrfach von Unionsk√∂nigen regiert wurde (1441-48, 1457-64, 1497-1501, 1520-21), so leitete dieser Aufstand die L√∂sung Schwedens aus der Kalmarer Union ein. Unter K√∂nig Karl VIII. Knutsson Bonde (1448-57, 1464-65, 1467-70) und den selbstst√§ndigen Regierung der Reichsverweser aus dem Haus Sture setzte sich diese Entwicklung fort. 1471 scheiterte mit der Schlacht am Brunkeberg (bei Stockholm) der Versuch des d√§nischen K√∂nigs Christian I., Schweden gewaltsam in eine Union mit D√§nemark zu √ľberf√ľhren. Die Sture-Partei versuchte, mithilfe eines Vierst√§ndereichstags auch die Interessen der Bauern und B√ľrger wahrzunehmen und die Beziehungen zur Hanse zu verbessern. Das ¬ĽStockholmer Blutbad¬ę (1520, Hinrichtung adliger Anh√§nger Sten Stures), mit dem Christian II. von D√§nemark, im gleichen Jahr als K√∂nig in Stockholm gekr√∂nt, den schwedischen Widerstand gegen die Union brechen wollte, l√∂ste eine Erhebung unter Gustav Eriksson Wasa aus, der, nachdem er bereits 1521 zum Reichsverweser ernannt worden war, 1523 zum K√∂nig gew√§hlt wurde. Mit seinem K√∂nigtum endete die Kalmarer Union. - Der mit Unterst√ľtzung L√ľbecks an die Macht gelangte Gustav I. Eriksson Wasa f√ľhrte mit harter Hand die im Land immer noch auseinander strebenden Gewalten zusammen. Er verf√ľgte mit Einf√ľhrung der Reformation 1527 die Einziehung des Kirchenguts und schuf mit der Neuordnung von Verwaltungen, Staatsfinanzen und Landesverteidigung die Grundlagen der schwedischen Gro√ümachtstellung, die seine Nachfolger erlangten.
 
 Das Dominium maris Baltici
 
Schweden hatte sich nicht nur gegen√ľber D√§nemark, das von den Sundlandschaften und von Norwegen aus die schwedischen Grenzen bedrohte, zu sichern, sondern musste auch in Finnland der russischen Expansion entgegentreten und zudem versuchen, der erdr√ľckenden Wirtschaftskraft L√ľbecks entgegenzuwirken. Zun√§chst festigte Schweden im Dreikronenkrieg gegen D√§nemark, Polen und L√ľbeck (1563-70) seine politische und wirtschaftliche Selbstst√§ndigkeit und begann eine Politik der Expansion nach O: 1561 wurde Reval schwedisch, Eroberungen Johanns III. (1568-92) und Gustavs II. Adolf (1611-32) brachten gro√üe Gebietsgewinne im Osten (best√§tigt im Frieden von Stolbowo am 9. 3. 1617). Durch seine Erfolge im Kampf gegen Polen, auch durch sein Eingreifen (1630) aufseiten der protestantischen F√ľrsten in den Drei√üigj√§hrigen Krieg erhob Gustav II. Adolf Schweden zur f√ľhrenden Macht in Nordeuropa. Nach seinem Tod in der Schlacht bei L√ľtzen (1632) leitete A. G. Graf Oxenstierna die Vormundschaftsregierung f√ľr K√∂nigin Christine. Im Frieden von Br√∂msebro (13. 8. 1645 erhielt Schweden von D√§nemark-Norwegen J√§mtland, H√§rjedalen und Halland, Gotland und √Ėsel und erreichte die Befreiung seiner Schiffe vom Sundzoll. Im Westf√§lischen Frieden (24. 10. 1648 erwarb es das Erzstift Bremen, Verden, Vorpommern (Schwedisch-Pommern), einen Landstreifen √∂stlich der Oder und Wismar sowie die Reichsstandschaft. 1654 trat Christine die Regierung an ihren Vetter, Karl X. Gustav aus dem Haus Pfalz-Zweibr√ľcken, ab. Er suchte Gustav Adolfs Werk zu vollenden durch Ausschaltung Polens im B√ľndnis mit Brandenburg, wogegen sich eine russisch-polnisch-d√§nische Koalition bildete (1. Nordische Kriege, 1655-60). Im Frieden von Roskilde (1658) verlor D√§nemark endg√ľltig Schonen und Halland an Schweden. Im Frieden von Oliva 1660 (erg√§nzt durch die Friedensschl√ľsse von Kopenhagen 1660 und Kardis bei Dorpat 1661) wurde unter der Garantie der europ√§ischen M√§chte Schweden der Besitz fast ganz Livlands, Estlands mit √Ėsel und Schonens (gegen R√ľckgabe von Trondheim und Bornholm an D√§nemark) best√§tigt. Da Frankreich zur Aufrechterhaltung des westf√§lischen Friedenssystems Schweden st√ľtzte, wurde der Nachfolger Karls X. Gustav, Karl XI. (1660-97), als Verb√ľndeter Ludwigs XIV. in den niederl√§ndisch-frz√∂sischen Auseinandersetzungen 1672-79 in K√§mpfe mit Brandenburg-Preu√üen verwickelt. In Livland erhob sich st√§ndischer Widerstand gegen die Einziehung entfremdeter schwedischer Krong√ľter, einer der Anl√§sse zum 2. Nordischen Krieg (1700-21). August II. von Sachsen-Polen glaubte, Livland leicht gewinnen zu k√∂nnen. Zar Peter I., der Gro√üe, erstrebte Ingermanland, Ostkarelien und Narwa, D√§nemark wandte sich gegen den schwedischen Zweig des Hauses Holstein-Gottorp. Der Krieg brach drei Jahre nach der Thronbesteigung (1697) des 15-j√§hrigen Karl XII. aus. Nach anf√§nglichen schwedischen Erfolgen wendete sich das Kriegsgl√ľck 1709 mit der Schlacht bei Poltawa. Nach dem Tod Karls (1718) beendeten die Friedensschl√ľsse von Stockholm, Frederiksborg und Nystad 1719-21 mit Hannover, Preu√üen, D√§nemark, Polen und Russland die schwedische Gro√ümachtstellung im Ostseeraum; seine Besitzungen auf der skandinavischen Halbinsel und in Finnland behielt Schweden, von seinen festl√§ndischen Erwerbungen verblieben ihm nur Vorpommern westlich der Peene mit R√ľgen und Wismar.
 
 Schweden 1720-1914
 
Die Reichsst√§nde setzten mit den ¬ĽRegierungsformen¬ę von 1719 und 1720 eine Verfassung durch, die ihnen fast ausschlie√ülich die Regierung √ľberlie√ü. So wurde die Politik unter Friedrich I. (1720-51) aus dem Haus Hessen-Kassel und Adolf Friedrich (1751-71) aus dem Haus Holstein-Gottorp durch die rivalisierenden Parteien der ¬ĽH√ľte¬ę (konservativ, nach Frankreich orientiert) und der ¬ĽM√ľtzen¬ę (liberaler, nach Russland orientiert) bestimmt. Bei au√üenpolitischen Misserfolgen (Verlust S√ľdostfinnlands) brachte die ¬ĽFreiheitszeit¬ę (1719-72) wirtschaftlichen Fortschritt durch die Wandlung der sozialen und wirtschaftlichen Struktur. Gustav III. (1771-92) stellte durch einen Staatsstreich (¬ĽRegierungsform¬ę von 1772) den Absolutismus wieder her. Unter seiner Regierung erlebte Schweden eine kulturelle Bl√ľtezeit. Sein Sohn Gustav IV. Adolf (1792-1809) schloss sich der 3. Koalition gegen Napoleon I. an. Als Russland 1808 Finnland eroberte, wurde er von den St√§nden abgesetzt. Sein Onkel Karl XIII. (1809-18) musste bei der Thronbesteigung einer neuen ¬ĽRegierungsform¬ę zustimmen, die die Grundlage der modernen schwedischen Verfassung wurde. 1810 wurde der franz√∂sische Marschall J.-B. Bernadotte zum Thronfolger gew√§hlt (1818-44 als Karl XIV. Johann K√∂nig). Schweden nahm an den Befreiungskriegen gegen Napoleon teil. Im Kieler Frieden (1814) trat D√§nemark Norwegen an Schweden ab, womit der Verlust Finnlands kompensiert werden sollte; D√§nemark erhielt im Gegenzug Schwedisch-Pommern (1815 an Preu√üen abgegeben). Norwegen wurde mit Schweden in Personalunion verbunden und behielt seine eigene Verfassung. Unter franz√∂sischem und englischem Einfluss breitete sich v. a. seit den 1830er-Jahren liberales Gedankengut in Schweden aus. Noch unter Karl XIV. Johann setzte die liberale Opposition 1840 eine Reform der Ministerien durch. Weitere Reformen wurden unter Oskar I. (1844-59) und Karl XV. (1859-72) durchgef√ľhrt, besonders bedeutsam die Einf√ľhrung des Zweikammersystems anstelle des Reichstags der vier St√§nde (1865/66). Um 1860 erreichte der Skandinavismus seinen H√∂hepunkt; dennoch griff Schweden nicht in den Deutsch-D√§nischen Krieg von 1864 ein. Die zunehmende Industrialisierung in der 2. H√§lfte des 19. Jahrhunderts f√ľhrte zu einem starken Anwachsen der Arbeiterschaft, die sich 1889 unter H. Branting organisierte (Gr√ľndung der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei) und - wie die Liberalen - das allgemeine Wahlrecht anstrebte (1909 f√ľr die 2. Kammer eingef√ľhrt). Bemerkenswert gro√ü war in der 2. H√§lfte des 19. Jahrhunderts auch die Zahl der schwedischen Auswanderer (rd. 1,5 Mio. allein in die USA von einer Gesamtbev√∂lkerung von etwa 5 Mio.). Unter Oskar II. (1872-1907) kam es zu einer Ann√§herung an das Deutsche Reich und 1905 zur Aufl√∂sung der Union mit Norwegen. Gustav V. (1907-50) setzte die Au√üenpolitik seines Vaters fort. 1912 schlossen die drei skandinavischen Staaten Vereinbarungen √ľber ihre Neutralit√§t. Im Fr√ľhjahr 1914 verlangte eine umfangreiche Petitionsbewegung trotz der Neutralit√§tsgarantie eine Verst√§rkung von Heer und Flotte. Als der K√∂nig diese, v. a. von wehrwilligen Bauern getragene und daher als ¬ĽBauernzug¬ę bezeichnete Bewegung unterst√ľtzte, sah sich die liberale Regierung unter Karl Albert Staaff (* 1860, ‚úĚ 1915; 2. Kabinett 1911-14) zum R√ľcktritt veranlasst; es kam zu einem Verfassungskonflikt zwischen K√∂nig und Staatsrat, der aber bald beigelegt wurde.
 
 Schweden seit 1914
 
Bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs blieb Schweden neutral. Auf einem Treffen in Malm√∂ (Dezember 1914) bekr√§ftigten die drei skandinavischen Monarchen die Neutralit√§t Skandinaviens. Unter dem Eindruck der revolution√§ren Ereignisse in Ost- und Mitteleuropa beschleunigte sich zwischen 1918 und 1921 die Entwicklung Schwedens zur parlamentarischen Demokratie (allgemeines Wahlrecht bei der Wahl zur 1. Kammer des Reichstages, 1918; Frauenwahlrecht, 1919). Die Sozialdemokratische Arbeiterpartei entwickelte sich zur st√§rksten politischen Kraft und stellte mit H. Branting 1920 erstmals den Ministerpr√§sidenten. Der Bauernbund (gegr√ľndet 1914) gewann wachsende innenpolitische Bedeutung. Zwischen 1920 und 1932 kam es zu h√§ufig wechselnden Minderheitsregierungen von Sozialdemokraten, Liberalen (1926-28, 1930-32) und Konservativen (1923-24, 1928-30).
 
In den 20er- und 30er-Jahren r√ľckten wirtschafts-, gesellschafts- und kulturpolitische Probleme in den Vordergrund (Schulreform, 1927; ¬ĽArbeitsfriedensgesetze¬ę, 1928). Die Weltwirtschaftskrise fand in Schweden ihren st√§rksten Ausdruck im Zusammenbruch des Kreuger-Konzerns 1932 (Kreuger, Ivar). Mit dem Regierungsantritt P. A. Hanssons (1932) begann eine langj√§hrige Vorherrschaft der schwedischen Sozialdemokratie (1932-76). Auf reformsozialistischer Linie leitete die Regierung Hansson (1932-46; 1936-39 in Koalition mit den Bauernb√ľndlern; 1939-45 Allparteienb√ľndnis) die Entwicklung Schwedens zum Wohlfahrtsstaat ein.
 
In seiner Au√üenpolitik vertrat Schweden weiterhin das Prinzip der Neutralit√§t und unterst√ľtzte als Mitglied des V√∂lkerbundes (seit 1920) dessen Bem√ľhungen, internationale Streitigkeiten friedlich beizulegen. 1921 sprach der V√∂lkerbund die √Ölandinseln Finnland zu. Hatten Liberale und Sozialdemokraten 1925 eine starke R√ľstungsbegrenzung durchgesetzt, so verst√§rkte die Regierung Hansson seit 1936 angesichts der wachsenden internationalen Spannungen die Streitkr√§fte des Landes. Nach dem sowjetischen Angriff auf Finnland (1939) lehnte Schweden offiziell das finnische Hilfegesuch ab. Auch im Zweiten Weltkrieg wahrte Schweden seine Neutralit√§t. Angesichts der deutschen Besetzung D√§nemarks und Norwegens (1940) und des deutschen Angriffs auf die UdSSR (1941) sah sich Schweden zu begrenzten Transitgenehmigungen f√ľr deutsche Truppen gezwungen (bis 1943) und belieferte das nationalsozialistische Deutschland auch mit Eisenerz und Erzeugnissen der schwedischen Industrie; es nahm zahlreiche Fl√ľchtlinge, besonders aus D√§nemark und Norwegen, auf.
 
In den Nachkriegsjahren wurde Schweden zum Muster des modernen Wohlfahrtsstaates unter sozialdemokratischer F√ľhrung (Ministerpr√§sident 1946-69 T. Erlander, 1969-76 und 1982-86 O. Palme, 1986-91 I. Carlsson); diese wurde erstmals 1976-82 durch b√ľrgerliche Koalitionsregierungen unterbrochen (1976-78 und 1979-82 T. F√§lldin [Zentrumspartei], 1978/79 O. Ullsten [Liberale Volkspartei]). Nach dem Tod Gustavs V. (1950) bestieg Gustav VI. Adolf den Thron, ihm folgte 1973 Karl XVI. Gustav. Nach der Ermordung Palmes (28. 2. 1986), der Schweden zum Anwalt der L√§nder der Dritten Welt gemacht hatte und als F√ľrsprecher einer weltweiten Abr√ľstung aufgetreten war, folgte ihm der Sozialdemokrat Carlsson als Ministerpr√§sident (bis 1991); in seiner Regierungszeit spitzten sich die wirtschaftlichen Probleme zu. Am 1. 7. 1991 stellte Schweden, das 1951/52 Gr√ľndungsmitglied des Norden Rates war und sich 1960 der EFTA angeschlossen hatte, den Antrag auf Aufnahme in die EG. Bei den Reichstagswahlen im September 1991 unterlagen die Sozialdemokraten den konservativen und liberalen Parteien; Ministerpr√§sident einer Mitte-rechts-Koalition wurde im Oktober 1991 C. Bildt (Gem√§√üigte Sammlungspartei). Der angesichts einer wirtschaftlichen Krise von der Regierung eingeleitete innenpolitische Kurs (Einsparungen im √∂ffentlichen Sektor, Unternehmensf√∂rderung, Privatisierung von Staatsbetrieben) f√ľhrte zu einem Abbau des Wohlfahrtssystems. Im Mai 1992 beschloss das Parlament eine Abkehr von der traditionellen Neutralit√§tspolitik. Bei den Reichstagswahlen vom 18. 9. 1994 siegten die Sozialdemokraten und stellten erneut mit ihrem Vorsitzenden Carlsson den Ministerpr√§sidenten (im Amt seit dem 7. 10. 1994). In einem Referendum am 13. 11. 1994 stimmte die Bev√∂lkerung mit 52,2 % der Stimmen dem Beitritt Schwedens zur EU zum 1. 1. 1995 zu. Mithilfe wechselnder Mehrheiten im Reichstag suchte Ministerpr√§sident Carlsson Einzelma√ünahmen zur Eind√§mmung der Finanzkrise durchzusetzen. In einem Beschluss (1. 12. 1995 unterstellte die Regierung erstmals schwedische Truppen (im Rahmen der internationalen Friedenstruppe f√ľr Bosnien und Herzegowina) einem NATO-Kommando. Nachdem Carlsson im August 1995 seinen R√ľcktritt angek√ľndigt hatte, wurde im M√§rz 1996 G√∂ran Persson zu seinem Nachfolger im Amt des Parteivorsitzenden und des Ministerpr√§sidenten gew√§hlt. Im April 1998 billigte das schwedische Parlament das Schengener Abkommen (Schengen II).
 
 
Sverige. Land och folk, hg. v. H. W. Ahlmann, 3 Tle. (Stockholm 1966);
 W. Dufner: Gesch. S.s (a. d. Schwed., 1967);
 A. von Gadolin: S. Gesch. u. Landschaften (1973);
 
Die nord. L√§nder. D√§nemark, Finnland, Island, Norwegen, S., hg. v. A. S√łmme (a. d. Engl., 21974);
 W. Imber u. W. Tietze: S. (Bern 1978);
 H.-J. Lutzhöft: Dt. Militärpolitik u. schwed. Neutralität 1939-1942 (1981);
 A. Caspers: S. Wirtschaftspolitik im Wohlfahrtsstaat, in: Wirtschaftspolitik im Systemvergleich, hg. v. D. Cassel (1984);
 B. Stenholm: The Swedish school system (Stockholm 1984);
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S. in Europa, hg. v. K. Kr√ľger (1990);
 J.-P. Findeisen: Das Ringen um die Ostseeherrschaft. S.s Könige der Großmachtzeit (1992);
 J.-P. Findeisen: S. Von den Anfängen bis zur Gegenwart (1997);
 G. Austrup: S. (21997).
 
Hier finden Sie in √úberblicksartikeln weiterf√ľhrende Informationen:
 
 
D√§nemark und Schweden in der fr√ľhen Neuzeit: Verfeindete Br√ľder
 
Dänemark, Schweden und Russland: Im Kampf um den Norden
 
Neutralität: Die neutralen Staaten Europas
 

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Schwe|den; -s: Staat in Nordeuropa.

Universal-Lexikon. 2012.

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